15.12.08
Kunstvolle Brote für hohe Feiertage

Für die Menschen hat Brot seit Urgedenken eine symbolreiche Bedeutung. Als Sinnbild für Nahrung und Leben ist Brot in vielen Religionen, Mythen und Bräuchen verankert. Rund um die Weihnachtszeit, die Fasnacht und den Dreikönigstag sind Brotbräuche besonders zahlreich. Sei es der «Grittibänz» zur Chlausenzeit, der Zopf zu Neujahr oder der Dreikönigskuchen am 6. Januar – jedes Gebäck hat seinen eigenen Charakter und Ursprung.

Die Bedeutung von Brot für die Menschen kann anhand von Überlieferungen weit zurückverfolgt werden. Dabei hat vor allem die Ehrfurcht vor dem Nahrungsmittel Brot eine wichtige Rolle gespielt. War Brot doch ein Symbol für göttliches, gesellschaftliches und individuelles Wohlergehen. Kein oder nicht genügend Brot zu haben bedeutet auch heute noch Hunger, Not und Elend. Nach wie vor werden viele Bräuche in Zusammenhang mit Brot gelebt und gepflegt.

Kunstvolle Gebildebrote an Feiertagen

An religiösen oder traditionellen Anlässen wie Weihnachten, Neujahr oder Ostern sind die kunstvollen, meist aus Weizenmehl hergestellten, teilweise gefüllten Gebilde- oder Partybrote besonders beliebt. An Weihnachten und zu Silvester kommen noch weitere Kuchen, Törtchen und Spezialitäten hinzu. Die Gebäcke werden speziell geformt – meistens als Mensch, Tier oder Symbol. Sie gelten heute noch als Glücksbringer. In der ursprünglichen Bedeutung sollten sie vor Krankheit, Unglück und Hunger schützen.
Zu den klassischen Gebildebroten gehört auch der beliebte Neujahrszopf. Dieser war früher, und ist auch heute noch ein ganz besonderes Geschenk, das jeweils am Morgen des 1. Januars Freunden und Bekannten überbracht und gemeinsam gegessen wird.

«König» oder «Königin» für einen Tag

Zu Beginn des Jahres werden «Könige» und «Königinnen» gekürt: Ob zu Hause oder im Büro, am 6. Januar wird eifrig Dreikönigskuchen gegessen und gehofft, dass das Plastikfigürchen im eigenen Stück versteckt ist.

Doch woher kommt dieser Brauch? Im alten Rom wurde jeweils im Dezember ein ausgelassenes Dorffest gefeiert. Im Rahmen eines Spiels wurden die Gewinner als «Könige» für einen Tag gekürt. Es wurde ein Essen veranstaltet, zu dem auch ärmere Menschen eingeladen wurden. Später wurde diese Tradition mit nordischen Bräuchen vermischt, bei denen Bohnen in Kuchen versteckt wurden. Durch die christliche Verehrung der Heiligen Drei Könige veränderte sich dieser Brauch im Mittelalter. In der Schweiz ist der Dreikönigstag seit 1390 bekannt. Seither gilt der 6. Januar als Freudentag, bei dem der Dreikönigskuchen unter keinen Umständen fehlen darf.

Viele Brotbräuche in der Fasnachtszeit

Die Fasnachtszeit ist bekannt für besonders viele und regional verankerte Brotbräuche. Beispiele dafür sind das «Bäckermöhli» (Mütschli) in Zug oder das «Lölibrot». Nach alter Sitte verschenken Bajazzos (eine Art Clowns) am «Güdelizyschtig» in Einsiedeln Brot. Am «Gündelmontag» macht in Schwyz der «Blätz» mit einem Besenstiel die Gegend unsicher, auf dem er Brot aufgespiesst hat. Die Brötchenvergabe an der Rapperswiler «Rathausteilet» erinnert an die Hungersnot im 14. Jahrhundert. Einen ähnlichen Ursprung scheinen die Brotsegnungszeremonien im Wallis (Chandolin, Bagnes-Tal) und im Tessin (Riva San Vitale) zu haben. Am 5. Februar, dem Tag der frühchristlichen Märtyrerin und Schutzpatronin Agatha, werden in der Innerschweiz in einigen Gemeinden die Agatha-Ringe gebacken und vom Pfarrer gesegnet. Wer sie nicht isst, hängt sie zum Schutz gegen Feuer in der Wohnung auf. Ein lebendig gebliebener Brauch im Lötschental ist die «Mitscha», ein Taufbrot mit Kreuz und Christusmonogramm, gespendet von der Patin beziehungsweise dem Paten. Zum Gedenken an den Zweiten Villmerger Krieg von 1712, bei dem die Frauen den Männern zu Hilfe kamen, wird im Kanton Aargau am zweiten Sonntag des Jahres der «Maitli-Sunntig-Ring» gebacken. An diesem Tag haben die Frauen das Sagen.

Der «Grittibänz» war ursprünglich eine Frau

Der «Grittibänz»ist ein Gebildebrot, das rund um den Nikolaustag gerne gegessen wird. Der Ursprung des in bestimmten Regionen auch «Elggermaa» oder «Grättima» genannten Gebäcks liegt im 16. Jahrhundert. Am 6. Dezember zogen Schüler – an der Spitze ein als St. Nikolaus verkleideter Schüler – in einem Umzug durch die Strassen. Am Ende bekamen alle einen «Bollwecken» (Weggen aus Weissmehl), der die Form eines Steinbockhorns hatte. Im Nikolausspruch von 1546 hiess es: «Der Felix nehm zem ersten s’Horn (Steinbockhorn), das Fröwli (Fraueli) esse er erst morn». Der erste «Grittibänz» war demnach weiblichen Geschlechts. Schriftlich festgehalten wurde der Name «Chriddibränz» erstmals vor 150 Jahren. «Bänz» ist die Kurzform von Benedikt und war zu gewissen Zeiten als Vorname so verbreitet, dass er als Synonym für den Begriff «Mann» verwendet wurde. «Gritti» stammt vom Wort «Grätsche». «Grittibänz» bedeutet somit «Mann mit gespreizten Beinen».

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