12.11.04
Weizenernte 2004: Qualität auf Normalniveau

Nach zwei sehr guten Jahren bezüglich Qualität weist die Weizenernte 2004 ein durchschnittliches Niveau auf. Dies haben die diesjährigen Laboranalysen und Backversuche der Fachschule Richemont, von Swissmill (Coop) und Jowa (Migros) ergeben. Zahlreiche Qualitätsparameter liegen im Bereich des Jahres 2001. Die Qualität der Ernte 2004 zeichnet sich durch gute Amylogrammwerte, hohe Werte bei der Wasseraufnahme, eine recht gute Knetresistenz des Teiges und durchschnittliche Proteingehalte aus. Diesen Resultaten stehen bescheidene Quellzahlen sowie niedrige Extensogrammflächen gegenüber. Bei den Sortenver-suchen hat Runal ihre Spitzenposition erneut klar bestätigt.

Wie die Schnelltests und die diesjährigen Laboranalysen ergeben haben, liegen die Proteingehalte der Weizenernte 2004 unter denjenigen der letzten zwei Jahre (-1.5 bis -2.5 Einheiten). Sie erreichen zirka die Werte des Jahres 2001. Die Feuchtglutenwerte liegen ebenfalls unter denjenigen des Vorjahres (-5.5 bis -9.7 Einheiten), sind aber vergleichbar mit jenen der Jahre 2001 und 2002 oder gar leicht höher.

Die Quellzahlwerte liegen unter denjenigen der letzten drei Jahre, vor allem unter jenen der Jahre 2001 und 2002. Die Resultate des Farinogramms sind den Zahlen des Vor-jahres sehr ähnlich und deuten auf eine ziemlich gute Knetresistenz hin. Die Werte der Wasseraufnahme sind besonders hoch. Sie liegen um 4 bis 5.5 Einheiten über denjenigen der letzten drei Jahre, und zwar bei allen getesteten Sorten. Im Extensogramm wi-derspiegeln sich die tiefen Protein- und Quellzahlwerte in eher bescheidenen Exten-sogrammflächen. Die Resultate sind deutlich tiefer als in den vergangenen drei Jahren. Die Werte im Amylogramm liegen im Mittel der vergangenen beiden Jahre. Sie können als gut, bezüglich der gewünschten Enzymtätigkeit sogar als optimal bezeichnet wer-den. Die Hektolitergewichte sind höher als in den beiden Vorjahren (+1 bis +2 kg/hl), und die Fallzahlen liegen gesamthaft zwischen 320 und 410 Sekunden. Letztere waren bei allen getesteten Sorten höher als in den Jahren 2001 und 2002. Insgesamt darf damit die diesjährige Getreidequalität als «genügend bis ziemlich gut» eingestuft werden.

Ansprechende Frischhaltung, leicht geringere Volumenausbeute beim Brot

Das höhere Wasseraufnahmevermögen des diesjährigen Weizens führte in den durch-geführten Backversuchen zu einer höheren Teigausbeute als im Vorjahr. Die Volumen-ausbeute beim gebackenen Brot war hingegen leicht geringer. Stand und Form der Bro-te waren zufrieden stellend bis gut, der Riss schwach und etwas unregelmässig. In Be-zug auf die innere Brotqualität konnten eine ansprechende Frischhaltung, eine zufrie-den stellende Krumenstruktur sowie eine leicht unregelmässige, etwas satte Porung festgestellt werden.

Runal erneut an der Spitze, Levis mit überzeugendem Resultat

Bei den Sortenversuchen hat die Sorte Runal wieder einmal ihre Überlegenheit bewie-sen. Sie platzierte sich beim globalen Qualitätsindex, welcher die Resultate aus den Laboranalysen und den Backversuchen zusammenfasst, mit 142 Punkten an der Spitze der Klasse «Top». Die Sorte Segor hat dieses Jahr die für diese Klasse benötigten 130 Punkte gerade erreicht. Dieses Resultat ist auf mittelmässige Werte bei den Laborun-tersuchungen zurückzuführen. Dennoch erfüllt Segor im Schnitt der letzten vier Jahre problemlos die Anforderungen der Top-Klasse.

In der Klasse I (110 bis 130 Punkte) haben Arina (122 Punkte), Zinal (121 Punkte) und Ludwig (113 Punkte) ihre Klassierung bestätigt. Arina hat sich im Vergleich zu den letz-ten drei Jahren verbessert. Im Gegensatz dazu hat Arolla mit 109 Punkten bereits zum zweiten Mal in Folge ein für die Klasse I ungenügendes Resultat erzielt.

In der Klasse II (95 -110 Punkte) hat Levis mit 114 Punkten wie bereits im vergangenen Jahr (123) eine Punktzahl über der Spannbreite ihrer Klasse errecht. Galaxie mit 107 Punkten bestätigt ihren Platz in der Klasse II. Die Sorte Rigi erreichte 97 Punkte.

Beim Biskuitweizen hat Ornicar (81 Punkte) sogar die untere Schwelle für die Klasse III (80-95 Punkte) erreicht. Die Resultate der Sorte Muveran sind für eine Verwendung als Brotweizen zwar ungenügend, als Biskuitweizen sind ihre Resultate jedoch viel versprechend.

Bei den neuen Sorten (Anwärter für eine Aufnahme in die empfohlenen Sortenlisten) haben Piotta und Allalin mit 74 Punkten enttäuschende Resultate erreicht. Beim Futter-weizen hat die Sorte Drifter mit 55 Punkten das schwächste Ergebnis seit vier Jahren erreicht und bestätigt somit ihre Einteilung in die Klasse Futterweizen. Die Sorten Ver-gas und Winnetou haben bewiesen, dass sie als Brotweizen nicht geeignet sind. Die Resultate von Winnetou sind aber viel versprechend für eine Aufnahme in die Klasse Futterweizen, Vergas wurde bereits aufgenommen.

Nahinfrarotspektroskopie am Ganzkorn ist zuverlässig

Geräte auf Basis der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) werden heute im umliegenden Ausland bei der Analyse von Getreide immer häufiger eingesetzt. In den letzten 10 Jah-ren hat hier ein Wandel weg von der Untersuchung von Schroten hin zur Untersuchung an Ganzkörnern stattgefunden. Eine aktuelle Studie der Fachschule Richemont in Zu-sammenarbeit mit swiss granum hat nun ergeben, dass diese Methode bei entspre-chender Kalibrierung der Geräte durchaus zuverlässige Resultate bringt. Weitere Vor-teile der NIR-Ganzkornanalysen sind das einfache Handling, der geringe Platzbedarf und die Netzwerkfähigkeit der Geräte. Die Fragen zur Wirtschaftlichkeit der Geräte und ihrer Zukunft auf dem Schweizer Markt bilden einen Schwerpunkt der Podiumsdiskussion anlässlich der heutigen Qualitätstagung an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) in Zollikofen.

Weitere Angaben zur Qualität der Weizenernte 2004 siehe www.swissgranum.ch.

swiss granum

Swiss granum wird von den wichtigsten schweizerischen Dachorganisationen der Ge-treide-, Ölsaaten- und Eiweisspflanzenwirtschaft gebildet. Sie ist deren Branchenorga-nisation. Swiss granum vertritt und koordiniert die gemeinsamen Interessen ihrer Mit-glieder. Als Branchenorganisation sorgt sie für Rahmenbedingungen und Strukturen, die in der Schweiz eine angemessene wirtschaftliche Tätigkeit auf allen Stufen ermögli-chen und bietet ihren Mitgliedern bedarfsgerechte Dienstleistungen an.

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