Getreideanbau

Getreide kann nur in einem weitgehend unbelasteten Kreislauf gut gedeihen. Die Getreideproduzenten setzen ihr Wissen dafür ein, dass die Fruchtbarkeit und Ertragskraft des Bodens erhalten bleibt.

So wächst Getreide

Ein, zwei Wochen nach dem Aussäen der Saatkörner durchbricht ein farbloses Röhrchen, die Keimscheide, die Krone. In ihrem Innern ist bald das erste Blatt zu entdecken. Die Keimwurzeln wachsen im Boden. Etwa ein Zentimeter unter der Bodenoberfläche wird der erste Knoten (genannt «Nodum») angelegt, aus dem mehrere Seitentriebe sprossen. Dann folgt das Schossen (die Streckung) der Halme, das Herausschieben der Ähre und ihr Blühen. Später schwillt der Fruchtknoten rasch an, nimmt Stärke, Eiweiss, Vitamine und Mineralien auf.

Die Pflanze wird schliesslich gelblich und trocknet aus, bis das Getreide reif zur Ernte ist. Die Witterungsbedingungen wirken sich entscheidend auf die Qualität und den Ertrag von Getreide aus.

Fruchtbarkeit des Bodens

Damit gesundes Getreide gedeiht, muss der Landwirt darauf achten, dass der Boden viele Klein- und Kleinstlebewesen enthält, also biologisch aktiv bleibt. Fruchtfolge, Sortenwahl, Düngung, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Je nach Anbauart   konventioneller Anbau, Ökologischer Leistungsnachweis, Integrierte Produktion (IP-Suisse) oder biologischer Anbau   geht man verschieden vor. Äusserst wichtig ist dabei die Fruchtfolge, die Abfolge des Anbaus unterschiedlicher Ackerkulturen auf einer Parzelle, damit der Boden wieder mit organischen Substanzen versorgt wird. Würde man Weizen zu häufig hintereinander auf der gleichen Parzelle anpflanzen, käme es vermehrt zu Pilzkrankheiten.

Anbau-Techniken

Konventioneller Getreideanbau

Unter dem traditionellen und intensiven Anbau ist der von Generation zu Generation überlieferte Anbau zu verstehen, der sich zwischen 1950 und 2000 durch eine bedeutende Ertragssteigerung auszeichnete. Die pflanzenbauliche Nutzung des Bodens wurde durch die Verwendung besserer Sorten, eine intensivere Düngung, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und eine allgemein verbesserte Anbautechnik intensiviert. Für diese Anbauform gibt es in der Schweiz heute keine Direktzahlungen mehr. Damit ist der konventionelle Anbau in der Schweiz praktisch bedeutungslos geworden.

Der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN)

Der ökologische Leistungsnachweis entspricht dem heutigen Produktionsstandard in der Schweiz und ist Grundvoraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen. Der sogenannte ÖLN befolgt Richtlinien des Bundes, die von unabhängigen Stellen kontrolliert werden. Der ÖLN ist eine Bewirtschaftungsform, die einen schonungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt zum Ziel hat. Wesentlich sind die Erhaltung der Artenvielfalt und der Bodenfruchtbarkeit, eine vielfältige Fruchtfolge, der reduzierte Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie eine artgerechte Nutztierhaltung.

IP Suisse / Extensive Getreideproduktion («Extenso»)

Bei der Extenso-Produktion von Getreide wird zusätzlich zum ökologischen Leistungsnachweis vollständig auf den Einsatz von Wachstumsregulatoren, Fungiziden und Insektiziden verzichtet. Herbizide sind jedoch erlaubt. Die unter dem IP Suisse-Label verkauften Brote entsprechen diesem Produktionsstandard.

Biologischer Anbau

Der Biologische Anbau (BIO) ist die konsequenteste umweltschonende Produktionsform. Im Gegensatz zur ÖLN-Produktion ist der Einsatz von chemisch-synthetischem Dünger und Pflanzenschutzmitteln vollständig verboten. Die Unkrautbekämpfung wird z.B. wie früher mit dem Ackerstriegel (Gerät zur mechanischen Unkrautbekämpfung) oder von Hand durchgeführt. Der biologische Getreidebau ist also bereit, bei höherem Arbeitsaufwand kleinere Naturalerträge in Kauf zu nehmen. Das bekannteste Bio-Label ist die Knospe von Bio-Suisse.

Ökologische Anbautechniken werden «belohnt»

Der Bund will den Getreideanbau nicht nur fördern, sondern, wo nötig, auch begrenzen, indem er Anreize für die ökologischen Anbautechniken schafft. Seit 1991 werden Äcker der Produktion entzogen und als ökologische Ausgleichsfläche und Brache stillgelegt. Die dadurch entstehenden Mindereinnahmen der Landwirte werden vom Bund durch Direktzahlungen teilweise kompensiert.

Pflügen, Eggen, Düngen

Pflanzen keimen nur in weicher Erde. Der Boden muss deshalb gelockert, d.h. gepflügt werden. Grobe Erdschollen müssen zerkleinert werden. Durch die Umdrehungen der Kreiseln und Zinken der Egge wird der Boden zu einem Saatbeet gekrümelt. Durch das Düngen werden dem Boden die nötigen Nährstoffe zugeführt.

Säen

Von der Aussaat zur Ernte vergehen fast zehn Monate. Winterweizen muss im Herbst gesät werden, weil er für das Schossen und die Ährenbildung einen Kälteschock braucht. Sommerweizen-Sorten werden normalerweise im Frühjahr ausgesät. Gesät wird heute mit Maschinen. Die Körner werden in die Saatmaschine eingefüllt, die gewünschte Saatmenge und -tiefe eingestellt. Dann wird eine Maschinenbreite (Reihe) nach der andern gesät.

Pflanzenbehandlung

Beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln zur Unkrautbekämpfung oder gegen Schädlinge muss der Landwirt genaue Vorschriften einhalten. Er ist verpflichtet, die Umwelt zu schonen.